Ein Fünf-Mann-Betrieb, wenig Zeit – und die Frage, ob LinkedIn im Handwerk wirklich etwas bringt. Christoph Zeinecker von LinkedIn liefert Antworten: von der Nachwuchssuche bis zum Fahrplan für die ersten sechs Monate.

Herr Zeinecker, warum sollte ich als Inhaber eines Fünf-Mann-Handwerksbetriebs meine wertvolle Zeit auf LinkedIn verbringen?
Christoph Zeinecker: LinkedIn ist das größte digitale Netzwerk für den beruflichen Austausch, unabhängig von Branche oder Berufsbild – also nicht nur für "Anzugträger", wie viele annehmen. Das Handwerk ist hier längst präsent, das heißt: Wer auf LinkedIn ist, befindet sich in guter Gesellschaft, kann sich dort professionell als Unternehmen präsentieren und sichtbar werden. Gerade kleineren Betrieben hilft diese Sichtbarkeit sehr, um Fachkräfte und Nachwuchs zu gewinnen und so künftig am Markt zu bestehen. Zudem kann man sich mit Kollegen über Erfahrungswerte austauschen und relevante Tipps für die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens finden.
Stichwort Nachwuchs: Angenommen ich leite einen Friseurbetrieb. Sind potenzielle Friseur-Azubis oder junge Gesellen wirklich auf LinkedIn aktiv?
Wir verzeichnen einen großen Zulauf aus der Generation Z, die jetzt ins Berufsleben einsteigt. Das heißt: LinkedIn bietet einen großen Pool an Talenten, die für bestimmte Ausbildungsrichtungen zu begeistern sind, wenn man es richtig anstellt. Das ist eine großartige Chance für jede Art von Betrieb. Um auf das Beispiel zurückzukommen: Ein Friseurunternehmen kann sich authentisch auf LinkedIn präsentieren, indem beispielsweise der Inhaber erzählt, wie er selbst zum Beruf kam, oder Mitarbeitende von ihrem Arbeitsalltag berichten. Es sind genau solche ungestellten Einblicke, die das Interesse von potenziellen neuen Mitarbeitern wecken und dazu motivieren können, sich zu bewerben.
Wenn ich morgen anfange, auf LinkedIn aktiv zu sein: Was muss ich tun, um in einem halben Jahr messbare Effekte zu erzielen?
Als Erstes müssen Sie eine Unternehmensseite aufbauen. Idealerweise holen Sie gleich Ihre fünf Mitarbeitende mit an Bord und überlegen gemeinsam, was Ihren Betrieb ausmacht und welche Einblicke Sie geben wollen. Wenn Sie sich authentisch und relevant präsentieren sowie bereit sind, mit anderen Betrieben in den Austausch zu gehen, werden Sie in sechs Monaten mit Sicherheit deutlich mehr Interaktionen verzeichnen und relevante Informationen für sich gewinnen.
"Es stimmt, persönliche Profile erzielen oft mehr Reichweite. (...) Trotzdem bleibt die Unternehmensseite wichtig."
Christoph Zeinecker, LinkedIn DACH
Beiträge von persönlichen Profilen erzielen auf LinkedIn deutlich mehr Reichweite als Unternehmensseiten. Warum sollte ein Fünf-Mann-Betrieb überhaupt den Aufwand betreiben, eine Unternehmensseite zu pflegen – statt einfach nur das persönliche Profil des Inhabers zu nutzen?
Es stimmt, persönliche Profile erzielen oft mehr Reichweite – das liegt daran, dass Menschen sich für andere Menschen interessieren und lieber mit Menschen interagieren als mit Unternehmenslogos. Gerade kleine Teams profitieren enorm davon, wenn Mitarbeitende Einblicke geben und Geschichten teilen. Trotzdem bleibt die Unternehmensseite wichtig. Sie ist der zentrale, offizielle Ankerpunkt und wie eine digitale Visitenkarte: Hier finden Interessenten, Bewerbende oder Kunden grundlegende Informationen zum Betrieb. Außerdem bietet die Seite Funktionen, die Profile nicht abdecken – die Veröffentlichung von Stellenanzeigen beispielsweise. Die Unternehmensseite legt also den strategischen Rahmen fest, die persönlichen Profile füllen ihn mit Leben. Das Zusammenspiel macht ein Unternehmen auf LinkedIn sichtbar und glaubwürdig.
Zur Person: Christoph Zeinecker verantwortet bei LinkedIn die Zusammenarbeit mit Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er unterstützt Handwerksbetriebe und Mittelständler bei Themen wie Fachkräftegewinnung, Ausbildung und Arbeitgebermarke.
LinkedIn-Studie zeigt: Junge Erwachsene offen für praktische Berufe
Eine Befragung des Marktforschungsinstituts Censuswide im Auftrag von LinkedIn zeigt: Knapp die Hälfte der 18- bis 28-Jährigen zieht heute einen praktischen Beruf einem Bürojob vor. Gleichzeitig sagen 50 Prozent der Gen Z, dass Fach- und Handwerksberufe in sozialen Medien kaum sichtbar sind. Das deutet auf eine Sichtbarkeitslücke hin.